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Defekte Luxusuhr verkaufen oder vorher reparieren?
Uhrenkontor Redaktion · · Aktualisiert · 8 Min. Lesezeit
Eine defekte Luxusuhr lässt sich verkaufen, auch wenn sie steht, falsch geht, beschlagen ist oder ein gesprungenes Glas hat. Händler kalkulieren die zu erwartende Reparatur in ihr Gebot ein. Eine vollständige Reparatur vor dem Verkauf zahlt sich deshalb selten aus. Sinnvoll sind vor allem kleine, klar abgrenzbare Eingriffe wie Batteriewechsel oder Entmagnetisieren; bei allem anderen entscheidet zuerst ein Kostenvoranschlag.
Kann man eine Uhr verkaufen, die nicht mehr läuft?
Ja. Ein technischer Defekt ist für einen Händler ein Zustandsmerkmal wie Kratzer oder fehlende Papiere. Der Händler kalkuliert einen anstehenden Service oder eine Reparatur in sein Gebot ein. Ein Defekt ist deshalb kein Ausschlussgrund, er wird im Angebot berücksichtigt.
Wie stark er ins Gewicht fällt, hängt von der Ursache ab: Eine Automatikuhr, die nur lange in der Schublade lag, ist etwas anderes als ein Werk mit Rost. Unklar ist die Ursache oft bei Erbstücken und Uhren aus einem Nachlass, deren Geschichte niemand genau kennt.
Prüfen Sie zuerst, ob die Uhr überhaupt defekt ist. Eine Automatikuhr bleibt stehen, sobald ihre Gangreserve aufgebraucht ist, bei vielen Modellen schon nach wenigen Tagen ohne Tragen. Ziehen Sie sie über die Krone auf und beobachten Sie sie einige Stunden. Eine verschraubte Krone lösen Sie dafür vorher und schrauben sie danach wieder fest.
Lohnt sich eine Reparatur vor dem Verkauf?
Meistens nicht vollständig. Eine Revision bei der Manufaktur kostet je nach Marke und Kaliber mehrere hundert bis über tausend Franken und dauert Wochen bis Monate. Nach einem Schaden kommen Ersatzteile dazu, die den Grundpreis einer Revision übersteigen können.
Eine Reparatur, die Sie als Privatkunde bezahlen, wird im Angebot selten eins zu eins vergütet. Dazu kommt die Wartezeit, in der Sie nicht verkaufen können.
Ausnahmen sind kleine, klar abgrenzbare Eingriffe:
- Batteriewechsel bei einer Quarzuhr, am besten beim Herstellerservice oder bei einem Uhrmacher, der danach die Wasserdichtigkeit prüft.
- Entmagnetisieren einer mechanischen Uhr, die plötzlich deutlich vorgeht.
Läuft die Uhr gar nicht, kann eine Reparatur sinnvoll sein, allerdings nur mit Kostenvoranschlag. Beim Hersteller wird die Uhr zuerst geprüft; gearbeitet wird erst nach Ihrer Freigabe. Den Kostenvoranschlag können Sie auch ohne Reparatur beim Verkauf vorlegen. Warum sich auch ein reiner Service vor dem Verkauf selten rechnet, erklärt der Ratgeber Service vor dem Verkauf.
Welche Defekte sind häufig, und was tun Sie vor dem Verkauf?
| Symptom | Mögliche Ursache | Vor dem Verkauf |
|---|---|---|
| Automatikuhr steht | Gangreserve leer, sonst verharztes Öl oder Werkdefekt | aufziehen und beobachten; läuft sie nicht, als Defekt angeben |
| Quarzuhr steht oder geht falsch | leere Batterie, seltener die Elektronik | Batterie fachgerecht wechseln lassen, leere Batterie nicht monatelang in der Uhr lassen |
| Mechanische Uhr geht plötzlich stark vor | häufig Magnetisierung | beim Uhrmacher entmagnetisieren lassen |
| Uhr geht nach, Gangreserve sinkt | Service fällig, Verschleiss | keinen Service auf Vorrat, Datum des letzten Service angeben |
| Beschlag oder Wasser unter dem Glas | gealterte Dichtung, offene Krone, beschädigtes Glas | nicht mehr tragen, sofort prüfen lassen oder umgehend verkaufen |
| Glas gesprungen | Schlag oder Sturz | nicht mehr tragen, wenn möglich Krone herausziehen |
| Krone oder Lünette beschädigt, klemmt oder fehlt | Schlag, Verschmutzung, Verschleiss | nicht mit Kraft bewegen, Teile aufbewahren, genau fotografieren |
| Band gerissen, Glieder fehlen | verlorene Stifte oder Schrauben, Verschleiss | alle Teile behalten, fehlende Glieder angeben, kein Fremdband kaufen |
| Datum oder Chronograph funktioniert nicht | Schaltung defekt oder Service fällig | nicht forcieren, Fehler beschreiben |
Warum geht eine mechanische Uhr plötzlich vor?
Läuft eine mechanische Uhr plötzlich deutlich vor, ist Magnetisierung eine häufige und meist harmlose Ursache. Magnetfelder von Handy, Laptop, Taschenverschlüssen oder Induktionsherd können die Unruhspirale beeinflussen: Deren Windungen haften aneinander, die Unruh schwingt schneller, und die Uhr geht vor. Ein Uhrmacher entmagnetisiert die Uhr in wenigen Minuten, ohne sie zu öffnen.
Zum Vergleich: Ein COSC-zertifiziertes Chronometerwerk darf zwischen minus 4 und plus 6 Sekunden pro Tag abweichen. Abweichungen von Minuten pro Tag deuten auf Magnetisierung oder einen technischen Defekt hin.
Neuere Werke mit antimagnetischer Spirale, etwa bei Rolex (Parachrom) oder Omega Master Chronometer, sind deutlich weniger anfällig. Geht eine solche Uhr stark falsch, ist eine andere Ursache wahrscheinlicher. Bei Quarzuhren deutet eine Gangabweichung in der Regel auf Batterie oder Elektronik hin, nicht auf Magnetismus.
Was tun bei Feuchtigkeit oder gesprungenem Glas?
Feuchtigkeit im Gehäuse ist ein Fall für den Uhrmacher, nicht für den Föhn: Wärme kann Dichtungen und Öle schädigen, und Reis oder Silikagel beheben die Ursache nicht. Je länger Wasser im Werk bleibt, desto grösser wird der Rostschaden. Cartier rät, eine Uhr mit Beschlag unter dem Glas umgehend zum Service zu bringen, weil Feuchtigkeit das Werk beschädigen kann.
Hier geht es um Schadensbegrenzung: Lassen Sie die Uhr sofort prüfen, oder verkaufen Sie sie zeitnah mit offener Angabe des Schadens. Monate in der Schublade sind die schlechteste Variante.
Bei einem gesprungenen Glas die Uhr nicht mehr tragen und, wenn möglich, die Krone herausziehen, damit die Zeiger stehen bleiben und keine Splitter über das Zifferblatt ziehen. Wasserdichtigkeit ist kein Dauerzustand: Sie hängt von Dichtungen ab, die altern, und ist nach einem beschädigten Glas oder einer beschädigten Krone nicht mehr gewährleistet.
Welche Eingriffe schaden mehr, als sie nützen?
- Reparatur mit Fremdteilen. Fremdteile aus einer nicht autorisierten Reparatur können den Wert mindern und dazu führen, dass der Herstellerservice die Uhr erst nach Austausch gegen Originalteile annimmt.
- Polieren. Eine Politur trägt Material ab und verändert die Kanten. Das lässt sich nicht rückgängig machen.
- Selbst öffnen. Wer den Gehäuseboden ohne Werkzeug und Erfahrung öffnet, riskiert Kratzer, Staub im Werk und beschädigte Dichtungen.
- Service bei Vintage-Uhren. Manufakturen ersetzen bei alten Uhren oft Zifferblatt, Zeiger oder Leuchtmasse. Für Sammler geht damit der Originalzustand verloren.
- Entmagnetisiergerät für zu Hause. Wird es falsch angewendet, bleibt die Magnetisierung bestehen. Beim Uhrmacher dauert das Entmagnetisieren nur wenige Minuten.
So bereiten Sie eine defekte Uhr auf den Verkauf vor
- Fehler genau beschreiben: was nicht funktioniert, seit wann, wie stark die Abweichung ist und ob die Uhr gestürzt ist oder mit Wasser in Kontakt kam.
- Nicht mehr tragen, wenn Feuchtigkeit im Gehäuse oder das Glas beschädigt ist.
- Alle Teile aufbewahren: Bandglieder, Schrauben, abgebrochene Krone, Lünetteneinlage, das Originalband.
- Gute Fotos machen: Zifferblatt, Schaden aus der Nähe, Gehäuseboden, Band. Wie das gelingt, zeigt der Ratgeber Uhr fotografieren für die Bewertung.
- Belege sammeln: Servicepapiere, frühere Rechnungen und einen allfälligen Kostenvoranschlag. Ein Kostenvoranschlag des Herstellers zeigt dem Händler, was die Reparatur dort voraussichtlich kostet, und erleichtert ihm die Kalkulation.
Warum schützt Sie eine offene Beschreibung?
Art. 199 OR lautet: «Eine Vereinbarung über Aufhebung oder Beschränkung der Gewährspflicht ist ungültig, wenn der Verkäufer dem Käufer die Gewährsmängel arglistig verschwiegen hat.» Auch bei einem Verkauf «wie gesehen» können Sie sich also nicht auf einen Gewährleistungsausschluss berufen, wenn Sie einen bekannten Mangel verschweigen.
Dazu kommt ein praktischer Grund: Ein Angebot gilt unter dem Vorbehalt, dass der Zustand der Beschreibung entspricht. Ein Defekt, der erst bei der Übergabe auffällt, führt zu einem angepassten Angebot; ein offen beschriebener ist von Anfang an eingerechnet.
Wie verkaufen Sie eine defekte Uhr über Uhrenkontor?
Über Uhrenkontor können Sie auch Uhren mit Defekt oder Servicebedarf verkaufen. Sie geben den Fehler im Formular an und laden Fotos hoch. Über 25 Partnerhändler in der Schweiz bewerten die Uhr, und Sie erhalten das beste Gebot als verbindliches Angebot innerhalb von 12 Stunden an Werktagen, für Sie kostenlos und unverbindlich.
Die Händler sehen nur Uhrendaten und Fotos, nie Ihre Kontaktdaten. Bei der persönlichen Übergabe in der Schweiz wird die Uhr vor Ihren Augen geprüft und bar, per Banküberweisung oder Twint bezahlt. Uhrenkontor repariert selbst keine Uhren. Uhren unter rund CHF 3'000 Marktwert werden nicht angekauft, und ein schwerer Schaden kann eine Uhr unter diese Grenze bringen. Den Ablauf im Detail finden Sie unter So funktioniert es.
Häufige Fragen
Kauft Uhrenkontor auch Uhren, die nicht mehr laufen?
Grundsätzlich ja. Uhren mit Defekt oder Servicebedarf durchlaufen denselben Ablauf wie laufende Uhren, der Defekt fliesst ins Gebot ein. Geben Sie im Formular genau an, was nicht funktioniert. Ein Gebot ist nicht garantiert, und Uhren unter rund CHF 3'000 Marktwert werden nicht angekauft, auch wenn der Wert erst durch den Schaden darunter fällt.
Ist ein Kostenvoranschlag kostenlos?
Nicht immer. Manche Herstellerservices und Uhrmacher verlangen eine Gebühr, wenn Sie den Kostenvoranschlag ablehnen und die Uhr unrepariert zurückverlangen. Fragen Sie deshalb vorher nach. Ein Kostenvoranschlag kann sich trotzdem lohnen, weil er dem Händler zeigt, was die Reparatur voraussichtlich kostet, und damit Unsicherheit aus dem Gebot nimmt.
Lohnt sich ein Batteriewechsel vor dem Verkauf?
Bei einer Quarzuhr meistens ja, weil der Eingriff klein ist und eine laufende Uhr leichter zu bewerten ist. Lassen Sie die Batterie beim Herstellerservice oder bei einem Uhrmacher wechseln, der danach die Dichtigkeit prüft. Eine leere Batterie sollte nicht über Monate in der Uhr bleiben, weil sie auslaufen und das Werk angreifen kann.
Meine Uhr geht mehrere Minuten pro Tag vor. Ist sie kaputt?
Nicht unbedingt. Bei einer mechanischen Uhr ist Magnetisierung eine häufige und meist harmlose Ursache. Ein Uhrmacher entmagnetisiert die Uhr in wenigen Minuten, ohne sie zu öffnen. Geht sie danach immer noch deutlich falsch, liegt eher ein technischer Defekt vor, den Sie beim Verkauf angeben sollten.
Darf ich eine Uhr «wie gesehen» verkaufen und einen Defekt verschweigen?
Den Verkauf «wie gesehen» ja, das Verschweigen nicht. Nach Art. 199 OR ist ein Gewährleistungsausschluss ungültig, wenn der Verkäufer einen Mangel arglistig verschwiegen hat. Ein offen beschriebener Defekt schützt Sie. Zudem wird der Zustand bei der Übergabe geprüft. Ein verschwiegener Defekt führt dann zu einem angepassten Angebot, ein angegebener ist von Anfang an eingerechnet.
Was mache ich mit fehlenden Bandgliedern?
Geben Sie im Formular an, wie viele Glieder vorhanden sind und ob welche fehlen. Legen Sie alle vorhandenen Glieder, Stifte und Schrauben der Uhr bei. Kaufen Sie keine Glieder oder Bänder von Fremdherstellern nach, denn Fremdteile können den Wert mindern. Der Händler berücksichtigt ein unvollständiges Band im Gebot.
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