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Service vor dem Verkauf: Nötig oder Geldverschwendung?

Uhrenkontor Redaktion · · Aktualisiert · 6 Min. Lesezeit

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Ein Service vor dem Verkauf lohnt sich in den meisten Fällen nicht. Eine Revision bei der Manufaktur ist teuer und dauert Wochen bis Monate. Auf dem Zweitmarkt steigt der Preis dadurch selten um denselben Betrag, weil Händler einen fälligen Service ohnehin einrechnen. Ausnahme: Läuft die Uhr nicht, kann eine Reparatur nach Kostenvoranschlag sinnvoll sein.

Dieser Ratgeber beantwortet eine Frage: «Soll ich die Uhr vor dem Verkauf noch zum Service bringen?» Es geht nur um den Service kurz vor dem Verkauf, nicht um das allgemeine Service-Intervall.

Was kostet ein Service, und was bringt er beim Verkauf?

Eine Revision bei der Manufaktur ist je nach Marke, Kaliber und Komplikation teuer und dauert Wochen bis Monate. Was sie bei Ihrer Uhr kostet, zeigt ein Kostenvoranschlag der Marke oder eines Uhrmachers. Auf dem Zweitmarkt erhöht ein frischer Service den Preis in der Regel nicht um denselben Betrag. Händler kalkulieren ohnehin einen Service ein, wenn die letzte Revision länger zurückliegt, und viele Käufer lassen die Uhr nach dem Kauf selbst warten.

Dazu kommt die Zeit: Solange die Uhr in der Werkstatt ist, können Sie sie nicht verkaufen. Und ein Service verändert die Uhr, wie die nächsten Abschnitte zeigen.

Wann beeinflusst ein Service den Preis wirklich?

  • Die Uhr läuft nicht oder deutlich ungenau: Eine funktionsfähige Uhr ist leichter zu bewerten und zu verkaufen. Hier kann eine Reparatur sinnvoll sein, allerdings nur mit Kostenvoranschlag. Mehr dazu im Ratgeber Defekte Luxusuhr verkaufen oder vorher reparieren?
  • Der Service liegt kurz zurück und ist belegt: Das ist ein Argument für Käufer, aber nur, wenn der Beleg vorhanden ist. Bewahren Sie Servicequittungen auf. Ein Beleg mit Datum, Werkstatt und ausgeführten Arbeiten sagt mehr als jede mündliche Angabe.

Service vor dem Verkauf: Was gilt in welcher Situation?

Situation Service vor dem Verkauf? Was Sie stattdessen tun
Uhr läuft, letzter Service lange her oder unbekannt Nein Servicestand ehrlich angeben
Service vor kurzem gemacht, Beleg vorhanden Kein weiterer nötig Beleg der Uhr beilegen
Automatikuhr steht nach längerem Liegen Nein Aufziehen und einige Stunden beobachten
Mechanische Uhr geht plötzlich stark vor Nein, oft genügt Entmagnetisieren Beim Uhrmacher prüfen lassen
Quarzuhr steht Nein, meist genügt ein Batteriewechsel Batterie beim Fachmann wechseln lassen
Uhr läuft nicht oder hat einen Schaden Höchstens nach Kostenvoranschlag Kostenvoranschlag beim Verkauf vorlegen
Vintage-Uhr, etwa vor 1990 Nicht ohne Rat eines Fachmanns Originalteile erhalten
Kratzer an Gehäuse oder Band Keine Politur Gebrauchsspuren angeben und fotografieren

Wann schadet ein Service?

Bei Vintage-Uhren ersetzen Manufakturen im Service häufig Zifferblatt, Zeiger oder Leuchtmasse durch neue Teile. Für Sammler zerstört das den Originalzustand und damit einen Teil des Werts. Bei Uhren vor etwa 1990 gilt: vor dem Service unbedingt einen Fachmann fragen, ob Originalteile erhalten bleiben.

Die Hersteller sagen das offen. Rolex ersetzt im Service jedes Teil, das den funktionalen und optischen Kriterien der Marke nicht mehr entspricht, durch ein Originalteil. Omega rüstet Uhrwerke ohne Seriennummer, soweit möglich, auf das neueste Uhrwerkmodell nach. Bei einer modernen Uhr ist das sinnvoll, ein Sammlerstück verliert dabei seinen Originalzustand.

Warum sollten Sie die Uhr nicht polieren lassen?

Dasselbe gilt für Polituren. Ein aufpoliertes Gehäuse verliert Kanten und Material; das ist nicht rückgängig zu machen. Feine Kratzer sind Gebrauchsspuren, keine Mängel. Lassen Sie die Uhr, wie sie ist.

Beim Herstellerservice gehört das Polieren oft dazu. Bei Rolex werden Gehäuse und Metallband im Service poliert, bei Omega gehört das Polieren zu den Schritten des Wartungsservice. Lassen Sie trotzdem einen Service machen, klären Sie vorher schriftlich, ob das Gehäuse unpoliert bleiben kann.

Was sollten Sie stattdessen tun?

  • Uhr aufziehen und prüfen, ob sie läuft und die Funktionen (Datum, Chronograph) arbeiten.
  • Gehäuse und Band mit einem weichen Tuch reinigen, bei wasserdichten Uhren mit lauwarmem Wasser und milder Seife. Eine verschraubte Krone vorher ganz zuschrauben. Keine Ultraschallreiniger bei Lederbändern oder unsicherer Dichtigkeit.
  • Alle Belege, Glieder und Zubehör zusammensuchen. Welche Teile und Papiere zählen, erklärt der Ratgeber Full Set, Box & Papiere.
  • Ehrlich beschreiben, wann der letzte Service war, auch wenn es «nie» ist.

Warum sollten Sie den Servicestand ehrlich angeben?

Die Angabe zum Service gehört zur Beschreibung der Uhr. Nach Art. 197 OR haftet der Verkäufer für zugesicherte Eigenschaften; wer «frisch revidiert» angibt, sollte das belegen können. Nach Art. 199 OR schützt ein Gewährleistungsausschluss nicht, wenn ein Mangel arglistig verschwiegen wurde.

Bei Uhrenkontor wird die Uhr bei der Übergabe geprüft; das Angebot gilt unter dem Vorbehalt, dass der Zustand der Beschreibung entspricht.

Fazit

Ein Service vor dem Verkauf rechnet sich selten. Verkaufen Sie die Uhr im gepflegten Originalzustand und geben Sie die Servicehistorie an. Bei Uhrenkontor bewerten über 25 Händler die Uhr genau so, wie sie ist; ein fälliger Service fliesst ins Gebot ein. Den Servicestand geben Sie im Verkaufsformular an. Den ganzen Ablauf zeigt der Leitfaden Uhr verkaufen in der Schweiz.

Quellen: Rolex, Bedienungsanleitung Day-Date, Kapitel «Der Rolex Kundendienst»; Omega, Wartungsservice; Obligationenrecht, Art. 197 und 199. Stand: Oktober 2026.

Häufige Fragen

Muss eine Uhr vor dem Verkauf revidiert sein?

Nein. Händler kaufen Uhren auch mit fälligem Service an und rechnen die Revision in ihr Gebot ein. Wichtig ist, dass Sie den Servicestand ehrlich angeben, auch wenn der letzte Service lange zurückliegt oder unbekannt ist. Eine Ausnahme ist eine Uhr, die gar nicht läuft: Dann hilft ein Kostenvoranschlag bei der Entscheidung.

Soll ich Kratzer vor dem Verkauf auspolieren lassen?

Nein. Eine Politur trägt Material ab und verändert die Kanten des Gehäuses; das lässt sich nicht rückgängig machen. Feine Kratzer sind Gebrauchsspuren, keine Mängel, und Sammler bevorzugen ein unpoliertes Gehäuse. Händler entscheiden selbst, ob sie eine Uhr aufbereiten, und rechnen das in ihr Gebot ein.

Lohnt sich ein Service bei einer Vintage-Uhr vor dem Verkauf?

Meistens nicht, und er kann schaden. Beim Service können Zifferblatt, Zeiger oder Leuchtmasse durch neue Teile ersetzt werden, womit für Sammler der Originalzustand verloren geht. Lassen Sie eine Uhr von vor etwa 1990 vor jedem Eingriff von einem erfahrenen Fachmann beurteilen. Ist ein Eingriff nötig, fragen Sie, ob Sie ausgetauschte Teile zurückerhalten.

Was gebe ich an, wenn ich den letzten Service nicht kenne?

Schreiben Sie genau das: «letzter Service unbekannt». Das ist eine ehrliche Angabe, und Händler kalkulieren dann in der Regel einen Service ein. Erfinden Sie kein Datum. Bei Uhrenkontor wird die Uhr bei der Übergabe geprüft, und eine falsche Angabe führt zu einem angepassten Angebot. Für zugesicherte Eigenschaften haften Sie zudem nach Art. 197 OR.

Kauft Uhrenkontor auch Uhren mit Servicebedarf?

Ja. Sie können Uhren auch mit fälligem Service, ohne Box und Papiere oder als Vintage-Stück anbieten. Über 25 Partnerhändler in der Schweiz bewerten die Uhr so, wie sie ist, und der Service fliesst ins Gebot ein. Geben Sie im Formular den letzten Service an. Uhren unter rund CHF 3'000 Marktwert werden nicht angekauft.

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