Markt
Der Zweitmarkt für Luxusuhren nach dem Hype: Was sich verändert hat
Uhrenkontor Redaktion · · Aktualisiert · 7 Min. Lesezeit
Nach dem Preisboom von 2020 bis Anfang 2022 sind die Zweitmarktpreise für Luxusuhren deutlich gesunken: Der ChronoPulse-Index von Chrono24 lag Ende März 2025 23,9 Prozent unter seinem Höchststand vom März 2022. Seit dem Tiefpunkt im August 2025 steigen die Preise wieder, getragen von Sammlern statt Spekulanten. Am stärksten fielen gehypte Stahlsportuhren, Klassiker wie die Datejust hielten sich deutlich besser.
Zwischen 2020 und Anfang 2022 stiegen die Preise für gefragte Stahlsportuhren auf ein Niveau, das mit den Uhren selbst wenig zu tun hatte. Wartelisten, Spekulation und viel Liquidität trieben den Markt. Seit dem Frühjahr 2022 haben sich die Preise der meisten Modelle wieder normalisiert, teils deutlich. Was bedeutet das heute?
Wie hat sich der Zweitmarkt seit 2020 entwickelt?
Zwei Datenreihen zeigen den Verlauf: der ChronoPulse-Index von Chrono24, berechnet aus Verkäufen von über 140 Modellen auf dem Online-Marktplatz, und die Exportstatistik des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie FH.
| Phase | Zeitraum | Zweitmarkt (ChronoPulse) | Uhrenexporte gesamt (FH) |
|---|---|---|---|
| Boom | 2020 bis März 2022 | Preise steigen bis zum Allzeithoch im März 2022 | 2020: CHF 17,0 Mrd. (−21,7 %), 2021: CHF 22,3 Mrd. (+31,2 %, knapp über 2019), 2022: CHF 24,9 Mrd. (+11,5 %) |
| Korrektur | März 2022 bis August 2025 | 13 Quartale: bis Oktober 2024 rund 25 % tiefer, danach seitwärts, Tiefpunkt am 13. August 2025 | 2023: Rekord mit CHF 26,7 Mrd., 2024: −2,8 %, 2025: −1,7 % auf CHF 25,6 Mrd. |
| Erholung | seit August 2025 | sechs Monatsgewinne in Folge bis März 2026, im April leicht im Minus, im Juni 2026 7,9 % über dem Vorjahr | Januar bis August 2026: +1,7 % auf über CHF 17 Mrd. |
Die Uhrenexporte brachen 2020 in der Pandemie ein und lagen 2021 erst wieder knapp über dem Stand von 2019, während die Zweitmarktpreise kräftig stiegen. 2023 erreichten die Exporte sogar einen Rekord, als die Zweitmarktpreise schon fielen. Die Korrektur traf also vor allem die Aufschläge über dem Listenpreis. Die FH-Zahlen sind allerdings Exportwerte, keine Verkäufe an Endkunden.
Welche Uhren sind am stärksten gefallen?
Am stärksten korrigierten die Modelle, die am stärksten gestiegen waren: Rolex Daytona in Stahl, Patek Philippe Nautilus 5711, Audemars Piguet Royal Oak 15202 und 15500. Die meisten liegen weiterhin über ihren Listenpreisen, aber weit unter den Spitzenwerten von 2022.
Laut Chrono24 verlor die Nautilus 5712/1A seit dem Höhepunkt 2022 rund 45 Prozent, kostete im Februar 2026 aber noch fast dreimal so viel wie 2018. Die Vacheron Constantin Overseas 4500V gab mehr als die Hälfte ihres Spitzenwerts wieder ab. Das Muster: Je mehr Spekulation im Preis steckte, desto tiefer der Fall.
Auch bei Rolex insgesamt ist der Aufschlag aus der Pandemiezeit laut Chrono24 abgebaut. Der Rolex-Preisindex lag im März 2022 103 Prozent über 2019, Mitte 2026 noch 55 Prozent darüber. Im letzten Jahr stieg er wieder um rund 7 Prozent.
Welche Uhren sind stabil geblieben?
Klassiker mit breiter Käuferschicht schwanken weniger, weil viele Käufer sie tragen und nicht die Spekulation. Das deutlichste Beispiel ist die Rolex Datejust: Die Datejust 41 (Ref. 126334) legte laut Chrono24 von Februar 2018 bis Februar 2026 um 59 Prozent zu, auch über die Korrektur nach 2022 hinweg.
Mit rund 28 Prozent des Rolex-Umsatzes auf Chrono24 ist die Datejust inzwischen die umsatzstärkste Rolex-Kollektion. Chrono24 beobachtet eine Verschiebung der Nachfrage von Submariner, GMT-Master II und Daytona hin zur Datejust. Ähnlich beständig zeigt sich die Omega Speedmaster Ref. 3310.10: Sie legte laut derselben Auswertung seit 2018 um 119 Prozent zu und stieg auch nach 2022 weiter.
Welche Uhren haben an Wert gewonnen?
Gewonnen haben vor allem Uhren, die während des Hypes übersehen wurden. Am deutlichsten zeigt sich das bei Cartier: Unter den 20 Modellen mit dem stärksten Wertzuwachs seit 2018, die auch nach 2022 weiter zulegten, zählt Chrono24 zehn Cartier, fünf Omega und zwei Jaeger-LeCoultre, aber keine Rolex. Sammler kaufen wieder nach Substanz statt nach Warteliste.
In der aktuellen Erholung liegt Cartier vorn, getragen von Tank und Santos: Im Juni 2026 notierte die Marke im ChronoPulse 13,2 Prozent über dem Vorjahr. Vacheron Constantin legte im selben Zeitraum um 9,3 Prozent zu und gewann seit 2023 auf Chrono24 Marktanteile im obersten Preissegment. Das gilt für die Marke, nicht für jede Referenz: Die Overseas 4500V zählt zu den grossen Verlierern der Korrektur.
Was bedeutet das für Verkäufer?
Wer 2021 gekauft hat, sollte kein Wunder erwarten. Wer aber seit Jahren eine Uhr besitzt, verkauft heute in einem gesunden Markt mit vielen Käufern. Selbst Ende März 2025 lag der ChronoPulse über fünf Jahre noch 24,5 Prozent im Plus.
Wichtig ist, mehrere Gebote zu vergleichen: In einem beweglichen Markt liegen die Händler unterschiedlich, je nachdem, was sie gerade auf Lager haben und was ihre Kunden suchen. Die Wege im Überblick zeigt der Ratgeber Händler, Chrono24, Auktion oder privat.
Indexwerte sind weltweite Durchschnitte in Euro, kein Gebot für Ihre Uhr. Warum ein Ankaufsgebot unter einem Inseratpreis liegt, erklärt der Ratgeber Chrono24-Preis oder Ankaufswert.
Was bedeutet das für Käufer?
Gebrauchte Uhren sind heute wieder eine vernünftige Alternative zum Neukauf: geprüft, sofort verfügbar, ohne Warteliste und häufig unter dem Listenpreis. Bei Uhrenkontor finden Sie geprüfte Uhren aus unserem Ankauf mit persönlicher Übergabe in der Schweiz.
Das sehen viele junge Käufer ähnlich: In der Deloitte Swiss Watch Industry Study 2025 wollten 40 Prozent der Generation Z in den nächsten zwölf Monaten eine gebrauchte Uhr kaufen, doppelt so viele wie bei den Babyboomern. Als Vorteile des Zweitmarkts nennen die Befragten aller Altersgruppen vor allem die Erschwinglichkeit (53 Prozent) und den Zugang zu einzigartigen oder nicht mehr erhältlichen Modellen (36 Prozent).
Zugleich sind neue Uhren teurer geworden: Laut FH verteuerten die Rekordwerte von Gold und Franken 2025 Schweizer Uhren vor allem im Ausland, und laut Chrono24 zieht der Zweitmarkt den höheren Neupreisen nach. Worauf Sie beim Kauf achten sollten, fasst der Leitfaden zum Uhrenkauf in der Schweiz zusammen.
Fazit
Der Hype ist vorbei, der Markt nicht. Er ist ruhiger, breiter und für beide Seiten berechenbarer geworden.
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Quellen: Chrono24, ChronoPulse-Meldungen vom 5. Februar 2025, 29. April 2025, 14. April 2026, 12. Mai 2026 und 14. Juli 2026, Auswertung der Modelle seit 2018 (31. März 2026) und Rolex Report 2026 (5. August 2026, Preisindex im PDF S. 4); FH, Exporte 2025 (29. Januar 2026), Exporte August 2026 und Statistik; Deloitte, Swiss Watch Industry Study 2025; Art. 16 Abs. 3 DBG; Art. 7 Abs. 4 StHG. Der ChronoPulse bildet Verkaufspreise auf Chrono24 in Euro ab, die FH-Zahlen Exportwerte. Stand: Oktober 2026.
Häufige Fragen
Ist der Hype bei Luxusuhren vorbei?
Ja, die spekulative Phase ist vorbei. Laut Chrono24 endete im August 2025 eine Korrektur, die im März 2022 begonnen und 13 Quartale gedauert hatte. Seither steigen die Preise wieder, getragen von Sammlern statt von kurzfristigen Wiederverkäufern. Im Juni 2026 lag der ChronoPulse-Index 7,9 Prozent über dem Vorjahr.
Soll ich mit dem Verkauf warten, bis die Preise weiter steigen?
Das lässt sich nicht vorhersagen. Der Markt erholt sich seit August 2025, aber je nach Marke und Referenz unterschiedlich stark, und Rückschläge wie im April 2026 (−0,4 Prozent nach sechs Gewinnmonaten) sind möglich. Entscheidend sind Ihre eigene Situation und der Zustand der Uhr. Ein aktuelles Gebot zeigt, was Ihre Uhr heute bringt, und verpflichtet Sie zu nichts.
Kann ich einen Verlust beim Uhrenverkauf von den Steuern abziehen?
Nein. Kapitalgewinne auf beweglichem Privatvermögen sind nach Art. 16 Abs. 3 DBG und Art. 7 Abs. 4 Bst. b StHG steuerfrei, ausser bei gewerbsmässigem Handel. Umgekehrt lassen sich Verluste aus privatem Vermögen nicht abziehen. Wer 2021 oder 2022 teuer gekauft hat und heute tiefer verkauft, kann den Verlust also nicht mit anderem Einkommen verrechnen.
Welche Marken erholen sich derzeit am stärksten?
Am stärksten erholen sich laut Chrono24 Cartier und Patek Philippe: Im Juni 2026 lagen sie im ChronoPulse 13,2 und 12,2 Prozent über dem Vorjahr. Bei Cartier tragen vor allem Tank und Santos den Anstieg, bei Patek Philippe das knappe Angebot an Nautilus und Aquanaut. Insgesamt lagen 11 von 13 erfassten Marken im Plus, Rolex mit 8,4 Prozent.
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